Endlich wieder geöffnet!

Die Bibliothek der Grundschule Obere Grafschaft wurde modernisiert. Donnerstags ist in der Grundschule Obere Grafschaft in der Pause statt Toben auf dem Schulhof die Bibliothek angesagt. Die Bibliothek, das ist seit einigen Wochen ein heller, freundlich eingerichteter Raum, in dem sich die Schülerinnen und Schüler sichtbar wohlfühlen. Schon vom ersten Schuljahr an machen viele Kinder regelmäßig Gebrauch von diesem Angebot. Und heute geht es besonders heiß her in der Schulbibliothek! Eine Bibliotheks-Rallye steht auf dem Programm. Die vierte Klasse muss etwa schätzen, wie viele Bücher sich in der Bibliothek befinden, während die Erstklässler die Büchermaus aus dem neuen Logo malen müssen. 

 

Die Arbeit der ehrenamtlichen Helferinnen und der für die Bibliothek verantwortlichen Lehrerin Silke Kolassa, haben sich gelohnt. Draußen vor der Türe zu dem ehemaligen Klassenzimmer stapeln sich die Kinderschuhe, denn in einer Bibliothek muss man leise sein. Da werden eifrig die Regale durchforstet: ob es wohl schon ein neues Olchi-Buch gibt, oder ein Buch über Hamster, oder über Raketen? Die Bücher stehen, fein säuberlich nach Themen und Sachgebieten sortiert in den Regalen. Damit das mit dem Sortieren und Finden auch gut funktioniert, sind jetzt alle Bücher farblich markiert. Sämtliche Tiersachbücher haben zum Beispiel einen „lila“ Balken auf ihren Etiketten und die Olchi-Bücher findet man bei den „blauen“ Büchern. Alle Bücher sind nun „digitalisiert“. Das hat den Vorteil, dass die Kinder selbstständig am Bibliotheks-Computer nach bestimmten Büchern recherchieren lernen. Nach der Eingabe des Stichworts „Maus“ zum Beispiel, werden dann alle vorhandenen Bücher auf dem Bildschirm angezeigt, die sich irgendwie mit dem Thema beschäftigen – vom Sachbuch bis zum Bilderbuch. Und das Tollste daran: das geht demnächst von jedem PC der Welt aus! So können die Kinder im Klassenzimmer oder zu Hause in ihrer Bibliothek recherchieren. 

 

Aus bescheidenen Anfängen mit gespendeten, meist ausgemusterten Kinderbüchern in einer Ecke des Mehrzweckraumes hatte sich im Laufe der vergangenen Jahre ein ganz ordentlicher Bibliotheksbetrieb entwickelt. Was mit viel Liebe zum Buch vor bald 15 Jahren im Rahmen einer Bibliothek-AG begann, bedurfte allerdings einer grundlegenden Sanierung. Der Umzug in den neuen Raum bot die erste Gelegenheit sich von den ältesten Exemplaren zu trennen. Aber als dann kurz vor den Sommerferien noch einmal alles ausgeräumt werden musste, weil die Gemeinde das Parkett neu versiegeln lassen wollte, beschlossen die Schulleitung Jeanette Schroerlücke und die Leiterin des Projektes Silke Kolassa zusammen mit dem Förderverein Nägel mit Köpfen zu machen. Rigoros wurde nun alles aussortiert, was zerfleddert war oder nie ausgeliehen worden ist. Auch Bücher in veralteter Rechtschreibung gehören nicht in eine Grundschulbibliothek! Mit Unterstützung der Landesbibliothek Rheinland-Pfalz und in wochenlanger ehrenamtlicher Arbeit wurde ein Bestand von rund 650 Exemplaren akribisch katalogisiert. „Wir müssen dringend im Sachbuch-Bereich neue Bücher einkaufen. Den einen oder anderen „alten Schinken“ mussten wir wohl oder übel behalten, damit wir zum Thema überhaupt etwas anbieten können!“, meinte Jeanette Schroerlücke, die Rektorin der Schule. Die Digitalisierung zeige natürlich sehr deutlich, wo die Lücken sind. Das soll nun schnell aufgeholt werden. 

Dank der Gemeinde und des Fördervereins können die dringendsten Anschaffungen noch in diesem Jahr erfolgen. 

 

Zusätzliche Spenden sind aber sehr willkommen! „Da müssen wir alle zusammen helfen! Bis auf etwa 1200 Bücher sollte der Bestand mit der Zeit schon anwachsen dürfen“, meinte auch Silke Kolassa. Auf Dauer für Nachschub sorgen sollen dann die Buch-Patenschaften. Hier haben sich der Schulelternbeirat, Förderverein und die Schulleitung ein Spenden-Modell ausgedacht, das keine große Belastung für den einzelnen Spender bedeuten soll, gleichzeitig aber für einen kontinuierlichen Mittelzufluss an die Bibliothek sorgen kann: Eine „Buch-Patenschaft“ – dabei erteilt man zugunsten der Bibliothek eine Einzugsermächtigung über ¤ 10,00 jährlich für die Dauer von fünf Jahren. „Man hoffe“, so eine der ehrenamtlichen Bibliotheks-Mamas, „dass sich möglichst viele Eltern oder auch Großeltern von dem Modell überzeugen lassen. So ein Bücherbestand muss kompetent und liebevoll gepflegt werden, sonst verschwindet nach einigen Jahren die Attraktivität. Dann haben die Kinder eine ganz große Chance weniger!“ 

 

Dass die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Obere Grafschaft sich gerne hier aufhalten, liegt nicht nur an den Gummibärchen, die heute zur Feier des Tages ausgeteilt wurden. Die Atmosphäre hier ist schon etwas Besonderes. Das empfinden auch die Erwachsenen, die hier als Bibliotheks-Mamas oder als Lehrkräfte die Ausleihe organisieren oder sonstige Veranstaltungen abhalten. Und so soll es auch sein. Die Kinder dürfen es sich zum Schmökern auf dem großen blauen Sofa gemütlich machen, auf den weichen Teppichen auf dem Boden liegen oder sich in die herrlich bunten Knautschsessel kuscheln. So macht Lesen Freude! „Hier in der Grundschule wird der Grundstein dafür gelegt, wie gut die jungen Menschen später in der weiterführenden Schule und noch später in der Ausbildung und im Studium mit geschriebenen Texten zurechtkommen. Solange die menschlichen Gehirne noch nicht per Chip gefüttert werden können, ist und bleibt das Lesen eine der wichtigsten Voraussetzungen, um in unserer Gesellschaft seinen Platz zu finden. Und da ist es egal, ob man nun eine Lehre als Automechaniker machen oder Professorin werden möchte!“, stellt Petra Bruns, eine Biblitheks-Mama fest.